Die Karlsruher Softwarefirma generic.de hat einen Blogbeitrag veröffentlicht, der strukturiertes Softwarekonzept-Design als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten hervorhebt. Der Beitrag richtet sich vor allem an öffentliche Auftraggeber und IT-Verantwortliche in Behörden, die vor der Herausforderung stehen, komplexe Digitalisierungsvorhaben von der Anforderungsanalyse bis zur Umsetzung zu steuern.

Warum Softwarekonzepte oft fehlen – und warum das zum Problem wird

In der Praxis scheitern IT-Projekte häufig nicht an mangelnder technischer Expertise, sondern an unklaren Anforderungen und fehlender konzeptioneller Grundlage. Generic.de betont in seinem Ansatz, dass ein strukturiertes Softwarekonzept die Brücke zwischen fachlicher Vision und technischer Realisierung bildet. Ohne diese Brücke entstehen Missverständnisse zwischen Fachbereich und Entwicklung, Anforderungen werden nachträglich ergänzt, und Budgets laufen aus dem Ruder.

Der Ansatz des Karlsruher Unternehmens unterscheidet sich von gängigen Marktpraktiken vor allem durch die konsequente Trennung zwischen fachlichem Konzept und technischer Architektur. Während viele Dienstleister direkt in die Umsetzung starten oder agile Methoden als Ersatz für Konzeptarbeit nutzen, setzt generic.de auf eine Phase der strukturierten Anforderungserhebung und Konzeption, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird.

Unterschiede zum Marktstandard: Konzept vor Code

Im öffentlichen Sektor arbeiten IT-Dienstleister wie Materna, msg systems oder Capgemini Public Sector häufig mit etablierten Vorgehensmodellen wie V-Modell XT oder PRINCE2. Diese Modelle sehen zwar ebenfalls Konzeptphasen vor, doch in der Praxis wird oft unter Zeitdruck direkt in die Entwicklung gesprungen. Generic.de positioniert sich als Anbieter, der die Konzeptphase nicht als lästige Pflichtübung, sondern als strategischen Wertbeitrag versteht.

Der Ansatz des Unternehmens umfasst typischerweise drei Schritte: Erstens die Erhebung und Strukturierung fachlicher Anforderungen in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen. Zweitens die Übersetzung dieser Anforderungen in ein technisches Konzept, das Architekturentscheidungen, Datenmodelle und Schnittstellendefinitionen umfasst. Drittens die Erstellung eines Umsetzungsplans, der Meilensteine, Ressourcen und Risiken transparent macht.

Diese Vorgehensweise erinnert an klassische Requirements Engineering-Methoden, wie sie etwa im Requirements-Engineering-Fokus des Unternehmens verankert sind. Der Unterschied liegt in der konsequenten Dokumentation und der Tatsache, dass das Konzept als verbindliche Grundlage für alle Projektbeteiligten dient – von der Ausschreibung über die Entwicklung bis zur Abnahme.

Welche Projekte stehen hinter dem Ansatz?

Konkrete Projektreferenzen nennt der Blogbeitrag nicht im Detail. Bekannt ist jedoch, dass generic.de in den vergangenen Jahren mehrere Mandate für öffentliche Auftraggeber übernommen hat, darunter Softwarequalitäts-Audits und Beratungsleistungen im Umfeld von Verwaltungsdigitalisierungsprojekten. Das Unternehmen hat zuletzt sein Angebot zu einem Full-Service-Softwarehaus erweitert, was darauf hindeutet, dass es nicht nur Konzepte erstellt, sondern zunehmend auch deren Umsetzung übernimmt.

Die Zielgruppe sind vor allem Behörden und öffentliche Institutionen, die im Rahmen von OZG-Umsetzung, Registermodernisierung oder der Einführung von Bürgerportalen neue Softwarelösungen benötigen. In diesen Projekten ist die Frage nach Interoperabilität, Datenschutz und langfristiger Wartbarkeit besonders relevant – Aspekte, die ein durchdachtes Softwarekonzept von Anfang an adressieren sollte.

Strukturierte Konzepte als Voraussetzung für Interoperabilität

Ein zentraler Vorteil strukturierter Softwarekonzepte liegt in der Planbarkeit von Schnittstellen und Standards. Gerade im Kontext der OZG 2.0-Umsetzung müssen Fachanwendungen mit einer Vielzahl anderer Systeme kommunizieren – von föderalen Plattformen über Basisdienste bis hin zu bestehenden Fachverfahren. Ohne klare Schnittstellendefinition im Konzept wird diese Integration zur Fehlerquelle.

Generic.de hebt hervor, dass ein gutes Softwarekonzept auch die spätere Erweiterbarkeit und Anpassungsfähigkeit sicherstellt. In der Praxis bedeutet das: Anforderungen, die heute noch nicht absehbar sind, können ohne vollständige Neuentwicklung integriert werden. Für öffentliche Auftraggeber, die mit langen Nutzungszyklen und sich ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen arbeiten, ist das ein entscheidender Faktor.

Wie unterscheiden sich Softwarekonzepte in agilen Projekten?

Ein häufiger Einwand gegen umfassende Konzeptphasen lautet, dass agile Methoden wie Scrum oder Kanban diese überflüssig machen. Generic.de argumentiert dagegen, dass auch agile Projekte von einem initialen Konzept profitieren – es verschiebt sich lediglich der Detailgrad. Statt eines vollständig ausformulierten Pflichtenhefts entsteht ein sogenanntes „Minimum Viable Concept", das die Architektur-Leitplanken, zentrale Datenmodelle und Schnittstellenstandards definiert, aber Details der User Stories den Sprints überlässt.

Diese Hybridform verbindet die Flexibilität agiler Entwicklung mit der Planungssicherheit klassischer Konzeptarbeit. Sie ist vor allem dann sinnvoll, wenn mehrere Entwicklungsteams parallel arbeiten oder wenn regulatorische Anforderungen (etwa Datenschutz-Folgenabschätzungen oder IT-Sicherheitskonzepte) eine frühzeitige Dokumentation verlangen.

Herausforderungen für öffentliche Auftraggeber

Für Behörden stellt sich die Frage, ob sie Konzeptleistungen und Umsetzung bei einem Anbieter beauftragen oder trennen sollten. Die Trennung hat den Vorteil, dass das Konzept neutral erstellt wird und als Grundlage für eine wettbewerbliche Ausschreibung dient. Der Nachteil: Der konzeptionelle Anbieter kann sein Wissen nicht direkt in die Umsetzung einbringen, was zu Reibungsverlusten führen kann.

Generic.de bietet beide Modelle an – sowohl die reine Konzeptberatung als auch die durchgängige Begleitung von der Idee bis zum Betrieb. Welches Modell passt, hängt von der Projektgröße, den internen Ressourcen und den vergaberechtlichen Rahmenbedingungen ab. Bei kleineren Vorhaben mit begrenztem Budget ist die integrierte Beauftragung oft effizienter, bei Großprojekten mit mehreren Losen empfiehlt sich die Trennung.

Qualitätssicherung durch Software-Audits

Neben der Konzepterstellung hat generic.de in den vergangenen Monaten auch Software Quality Audits für öffentliche Auftraggeber in sein Portfolio aufgenommen. Diese Audits prüfen, ob bestehende oder in Entwicklung befindliche Softwarelösungen den vereinbarten Qualitätsstandards entsprechen – von Code-Qualität über Sicherheitsaspekte bis hin zur Dokumentation.

Die Audits setzen voraus, dass ein klares Konzept existiert, gegen das geprüft werden kann. Hier schließt sich der Kreis: Ohne strukturiertes Konzept fehlt der Maßstab für Qualität. Mit Konzept lässt sich nachvollziehbar prüfen, ob die Umsetzung den Anforderungen entspricht – ein Aspekt, der gerade bei externen Entwicklungspartnern an Bedeutung gewinnt.

Fazit: Konzept als Investition, nicht als Kostenfaktor

Der Ansatz von generic.de rückt eine Phase in den Fokus, die in vielen IT-Projekten zu kurz kommt: die strukturierte Konzeption. Während der Markt oft unter Zeitdruck direkt in die Umsetzung startet, argumentiert das Karlsruher Unternehmen, dass ein solides Softwarekonzept langfristig Zeit und Kosten spart – weil Missverständnisse frühzeitig geklärt, Risiken identifiziert und Schnittstellen sauber definiert werden.

Für öffentliche Auftraggeber bedeutet das: Die Investition in Konzeptarbeit ist keine verzichtbare Vorstufe, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Gerade in einem Umfeld, das von regulatorischen Vorgaben, langen Nutzungszyklen und der Notwendigkeit zur Interoperabilität geprägt ist, zahlt sich strukturiertes Design aus. Ob generic.de mit diesem Ansatz am Markt tatsächlich eine Nische besetzt oder einen neuen Standard setzt, wird sich in den kommenden Projekten zeigen.

Quellen